Mein Weg
Aktualisiert: 6. Aug.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich nie über Probleme, Ängste, Sorgen oder meine Bedürfnisse gesprochen.

Ich habe alles mit mir selbst ausgemacht.
Es hat mich innerlich Stück für Stück aufgefressen. Aber ich kannte es nicht anders.
Bei uns wurde vieles totgeschwiegen. Am besten einfach jeden Tag funktionieren.
Sich zurückziehen, weinen, den Schmerz mit sich selbst ausmachen und danach so tun,
als wäre wieder alles gut.
Aber es war nie wirklich gut.
Ich habe alles in eine imaginäre Kiste gepackt. Mit jedem verletzenden Satz, jeder Enttäuschung, jeder Angst wurde sie ein Stück voller.
Und irgendwann ging der Deckel nicht mehr zu.
Dann ist alles herausgeplatzt. Meistens in Situationen, die es eigentlich gar nicht verdient hatten.
So ging es mir über viele Jahre.
Kritik hat mich sofort verletzt
Mit Kritik konnte ich überhaupt nicht umgehen.
Sobald mir jemand gesagt hat, dass ihn etwas an mir stört oder er sich von mir verletzt oder missverstanden gefühlt hat, bin ich sofort in den Angriffsmodus gegangen.
Ich war beleidigt, genervt oder habe dichtgemacht.
Wenn ich heute zurückblicke, denke ich oft:
Man konnte damals eigentlich gar nicht richtig mit mir sprechen.
Nicht, weil ich böse war.
Sondern weil ich nie gelernt hatte, mit meinen Gefühlen umzugehen.
Dann kam mein Mann
Und dann lernte ich meinen Mann kennen.
Er ist in dieser Hinsicht genau das Gegenteil von mir.
Wenn ihn etwas beschäftigt, möchte er darüber sprechen. Sofort. Dinge klären.
Bedürfnisse aussprechen.
Für mich war das am Anfang unglaublich anstrengend.
Ich hätte am liebsten alles unter den Teppich gekehrt.
Dazu kommt, dass ich Sternzeichen Waage bin und unglaublich harmoniebedürftig bin.
Bloß keinen Streit. Bloß keinen Konflikt.
Ich wollte immer, dass alles perfekt ist.
Heute weiß ich:
Perfekte Beziehungen gibt es nicht.
Und sie müssen es auch gar nicht.
Manchmal sind es genau die Reibungen, die eine Beziehung wachsen lassen.
Weil man sich dadurch wirklich kennenlernt.
Weil man lernt zuzuhören.
Und weil man versteht, was der andere eigentlich braucht.
Der Moment, der alles verändert hat
Irgendwann kam eine Situation, die ich nicht ernst genug genommen habe.
Ich habe etwas ignoriert.
Nicht, weil es mir egal war.
Sondern weil ich mich dieser Situation einfach nicht stellen wollte.
Aus Harmoniebedürftigkeit.
Aus Angst vor einem Konflikt.
Aus Angst davor, etwas Unangenehmes anzusprechen.
Aus Angst, meine Komfortzone zu verlassen.
Diese Entscheidung hätte uns fast unsere Beziehung gekostet.
Und genau da wusste ich:
Ich brauche Hilfe.
Die zwei intensivsten Jahre meines Lebens
Durch zwei wundervolle Menschen durfte ich meine Therapeutin kennenlernen.
Sie hat mich zwei Jahre lang begleitet.
Es waren wahrscheinlich die intensivsten Jahre meines Lebens.
Es wurden Dinge hochgeholt, die unglaublich wehgetan haben.
Erinnerungen.
Verhaltensmuster.
Alte Verletzungen.
Es gab Tage, an denen ich dachte, ich halte das nicht aus.
Und gleichzeitig waren genau diese Momente unglaublich befreiend.
Heute bin ich unendlich dankbar für diese Zeit.
Sie hat mein Leben verändert.
Das Gespräch, vor dem ich so große Angst hatte
Nach einiger Zeit kam der Moment.
Ich habe das Gespräch gesucht.
Ganz ruhig.
Ganz ehrlich.
Ganz ohne Drama.
Und weißt du was?
Es war in wenigen Minuten geklärt.
So viel Angst.
So viele Gedanken.
Und am Ende war alles viel leichter, als ich es mir jahrelang vorgestellt hatte.
Dieses Gefühl von Befreiung werde ich nie vergessen.
Seitdem mache ich meine Kiste nicht mehr voll
Seit diesem Tag habe ich mir versprochen:
Ich möchte meine innere Kiste nie wieder bis zum Rand mit all dem Müll füllen.
Wenn mich etwas belastet...
...spreche ich darüber.
Wenn mich etwas verletzt...
...spreche ich darüber.
Wenn mir etwas auf der Seele brennt...
...spreche ich darüber.
Nicht, weil ich streiten möchte.
Sondern weil ich innerlich sonst keine Ruhe finde.
Aber ich habe noch etwas gelernt.
Ich spreche heute genauso die schönen Dinge aus.
Ich sage meinem Mann, meinen Kindern oder anderen Menschen, wenn ich sehe,
wie sehr sie sich bemühen.
Wenn sie alles geben.
Wenn sie etwas Kleines tun, das vielleicht niemandem auffällt.
Ich möchte, dass sie wissen:
Ich sehe dich.
Ich sehe, was du tust.
Und ich schätze es.
Ich glaube, genau das wünschen wir uns doch alle.
Nicht perfekt zu sein.
Sondern gesehen zu werden.
Was ich dir von Herzen mitgeben möchte
Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, weiß ich:
Nicht das Schweigen hat mich geschützt.
Es hat mich krank gemacht.
Erst das Aussprechen hat mich frei gemacht.
Deshalb möchte ich dir etwas von Herzen mitgeben.
Sprich aus, was dich belastet.
Sprich aus, was dich verletzt.
Aber vergiss auch nicht, auszusprechen, was dich glücklich macht.
Sag Menschen, wenn du stolz auf sie bist.
Sag ihnen, wenn du dankbar bist.
Sag ihnen, dass du siehst, was sie jeden Tag leisten.
Denn genau dort entsteht echte Verbindung.
Und genau dort entsteht Nähe.
Und wenn du dich in meiner Geschichte wiedererkennst...
Wenn es dir genauso geht, wie es mir viele Jahre gegangen ist, dann möchte ich dir eines von Herzen mitgeben:
Lass dir helfen.
Und nein – eine Therapie bedeutet nicht, dass du krank bist oder versagt hast.
Für mich war sie das größte Geschenk, das ich mir selbst machen konnte.
Sie hat mir geholfen, mich selbst zu verstehen.
Alte Wunden anzuschauen.
Dinge loszulassen, die ich jahrelang mit mir herumgetragen habe.
Und vor allem hat sie mir gezeigt, dass ich mein Leben nicht so weiterleben muss,
nur weil ich es immer so gemacht habe.
Jeder Mensch sammelt im Laufe seines Lebens Erfahrungen.
Manche wunderschön.
Manche schmerzhaft.
Und genau deshalb finde ich, dass es nichts Mutigeres gibt, als sich Unterstützung zu holen.
Ich sehe eine Therapie heute nicht mehr als etwas Negatives.
Ich sehe sie als eine Chance.
Als einen Weg, sich selbst näherzukommen.
Als einen Weg, glücklicher zu werden.
Und wenn ich heute noch einmal vor dieser Entscheidung stehen würde, würde ich sie immer wieder treffen.
Denn manchmal braucht es jemanden, der uns hilft, den Weg zu uns selbst wiederzufinden.
Vielleicht beginnt heute deiner.
Wenn dieser Artikel auch nur einen Menschen dazu ermutigt, den ersten Schritt zu gehen,
dann hat er seinen Sinn erfüllt.
Du musst deinen Weg nicht alleine gehen.
Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen.
Es ist eine der mutigsten Entscheidungen, die du für dich selbst treffen kannst.
Ich wünsche dir von Herzen, dass auch du irgendwann sagen kannst:
"Das war der Moment, in dem ich angefangen habe, wirklich zu leben."
Alles Liebe,
Melanie ❤️





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